7.0 AUSBILDNER

Die nachstehenden Ausführungen entsprechen dem Inhalt des QUAKA (Qualitäts- und Ausbildungs-Konzept Assistenzhunde Schweiz) mit Schwerpunkt auf jene Hunde, welche in privater Ausbildung befähigt werden oder wurden. Die Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Nachveröffentlichung, ob in elektronischer Form oder im Druck, kann nur mit schriftlich eingeholtem und erteilten Einverständnis sowie unter entsprechender Quellenangabe/Verlinkung erfolgen.  


7.1 Grundlagen

7.1.1 

 

A)

In der  privaten Assistenzhunde-Ausbildung  wollen behinderte/chronisch kranke Menschen mit ihrem Hund in einem Anleitungsprozess bestimmte Ziele in der Ausbildung des Hundes erreichen. Dies geht weit über das normale Haushunde-Training hinaus. Eine erfolgreiche Arbeit mit Mensch-Assistenzhunde-Teams setzt daher nicht nur voraus, dass der Ausbildner einen reichhaltigen Rucksack an kynologischem Wissen und Erfahrung mitbringt, sondern auch, dass der Ausbildner

  • sich mit den jeweiligen Einschränkungen auseinander setzt, um bestmöglich auf die Bedürfnisse des Klienten eingehen zu können 
  • einen respektvollen Umgang und grosses Einfühlungs- und Verantwortungsgefühl gegenüber Mensch und Hund zeigt
  • ehrlich, transparent, partnerschaftlich, konstruktiv und vertrauensvoll in Aktion und Kommunikation ist 
  • die Mensch-Hund-Teams langfristig betreut (über die Qualitätsprüfung hinaus)
  • höchste Ansprüche an sich, sein Wissen, seine Fähigkeiten und seine Fortbildung in den jeweiligen Fachgebieten stellt

B)

Um zu gewährleisten, dass die Assistenzhunde eine methodisch wie fachlich kompetente, zeitgemässe, hundegerechte, tierschutzkonforme und qualitativ hochstehende Ausbildung erfahren, arbeitet SwissHelpDogs vorrangig mit Hundetrainern, welche durch Antrag auf Lizenzierung unter Einreichung entsprechender Aus- und Weiterbildungsnachweise und unter Verpflichtung zur Einhaltung der SHD-Qualitätsicherungs-Vorgaben inklusiv dem SHD-Ausbildner-Kodex die Anforderungen in Anlehnung an die Normungsrichtlinie CWA 16979:2016 gemäss aktuellem Europäischem Standard erfüllen.

 

 

C)

Bei der Lizenzierung wird unterschieden zwischen:

  • Fachausbildner (A-Lizenz)
    Hundetrainer, die bereits Erfahrung in der Ausbildung von Assistenzhunde-Teams mitbringen, sich in den jeweiligen typologischen Fachbereichen weitergebildet haben und die Vorgaben des Qualitätssicherungskonzepts weitergeben können.
  • Erstausbildner (B-Lizenz)
    Hundetrainer, die grundsätzlich die kynologischen Anforderungen erfüllen, jedoch noch unerfahren in der Ausbildung von Assistenzhunde-Teams sind. 

 

D)

Von SHD lizenzierte Ausbildner begleiten ihre Teams während einer zwischen 1 und 3 Jahre dauernden Ausbildung gemäss den individuellen Bedürfnissen des Halters, dem Lernvermögen des Hundes und insbesondere unter Wahrung des Tierwohls gemäss dem Qualitätsicherungs- und Ausbildungskonzept QUAKA.

 

Dabei arbeiten sie grundsätzlich selbstständig und in eigener Regie. Sie haben volle Entscheidungs-Freiheit bei der Wahl ihrer Fachgebiete, Klienten, passenden Hunden und Ausbildungsstrategien, solange dabei ein respektvoller Umgang mit dem Mensch-Hund-Team und eine methodisch wie fachlich kompetente, zeitgemässe, hundegerechte und tierschutzkonforme Ausbildung gemäss den Vorgaben von SwissHelpDogs gewährleistet ist.

7.2 Lizenzierung

 

7.2.1

 

A)

Der Entscheid über Annahme oder Ablehnung als lizenzierter Ausbildner erfolgt auf Grundlage der mit Ausbildner-Antrag eingereichten Unterlagen, welche einzeln geprüft werden („sur dossier“). Im Bedarfsfall kann die Ausbildungs- und Prüfungskommission (weitere) Nachweise einfordern und/oder einen Vertreter zur telefonischen oder persönlichen Kontaktaufnahme bis hin zum Beiwohnen an Trainingsstunden des Anwärters ernennen.


7.2.2 Erstausbildner (B-Lizenz)

 

A)

Die Lizenz für Erstausbildner, also für Hundetrainer, die zum ersten Mal in der Schweiz mit einem Assistenzhund-Team arbeiten (möchten), kann durch Mitgliedschaft als B-Ausbildner (B-Lizenz) erworben werden, wenn

  • die unter Kapitel 7.3 genannten Anforderungen erfüllt sind
  • bereits nachweislich eine Zusammenarbeit mit mindestens einem künftigen Assistenzhunde-Team besteht bzw. in Aussicht steht

Die B-Lizenz umfasst

  • Trainer-Ausweis
  • Signalweste für Ausbildner gem. Ausbildner-Kodex (www.swisshelpdogs.ch/ausbildnerkodex)
  • Instrumente für eine hochstehende Assistenzhunde-Ausbildung (Qualitätssicherungskonzept)
  • Nutzungserlaubnis für die einheitlichen SHD-Formulare und Vorlagen (z.B. Ausbildungsvertrag)
  • Austauschmöglichkeit in unserer Facebook-Gruppe exklusiv für Mitglieder
  • Ein Netzwerk, dass bei Bedarf beigezogen werden kann (Ausbildungsfragen, Zutrittsprobleme etc.)

 


7.2.3 Fachausbildner (A-Lizenz)

 

A)

Die Lizenz für Fachausbildner, also für Hundetrainer, die bereits Erfahrung in der Ausbildungsbegleitung von Assistenzhunden vorweisen, kann durch Mitgliedschaft als A-Ausbildner (A-Lizenz) erworben werden, wenn

  • die unter Kapitel 7.3 genannten Anforderungen erfüllt sind
  • erweiterte Kenntnisse und Erfahrungen gem. Kapitel 7.4 nachgewiesen werden können
  • der Nachweis besteht, dass mindestens ein Assistenzhunde-Team bei der Ausbildung bis zur erfolgreichen Abschlussprüfung begleitet wurde

Die A-Lizenz umfasst:

  • SHD-Trainer-Ausweis
  • Eigenes Logo auf Assistenzhunde-Ausweisen der Klienten
  • Grafik „lizenzierter A-Ausbildner“ z.B. für Webseite, Flyer, Briefpapier etc.
  • 20% Ausbildner-Rabatt auf unsere Shop-Produkte (Kenndecken, Patches, etc.)
  • Signalweste für Ausbildner gem. Ausbildner-Kodex (www.swisshelpdogs.ch/ausbildnerkodex)
  • Instrumente für eine hochstehende Assistenzhunde-Ausbildung (Qualitätssicherungskonzept)
  • Nutzungserlaubnis für die einheitlichen SHD-Formulare und Vorlagen (z.B. Ausbildungsvertrag)
  • Austauschmöglichkeit in unserer Facebook-Gruppe exklusiv für Mitglieder
  • Ein Netzwerk, dass bei Bedarf beigezogen werden kann (Ausbildungsfragen, Zutrittsprobleme etc.
  • Listung auf unserer Webseite www.swisshelpdogs.ch/ausbildner mit eigenem Logo

 

 


 

7.2.4

 

A)

Sind die jeweils erforderlichen Voraussetzungen nicht vollständig oder zufriedenstellend erfüllt, kann SwissHelpDogs Auflagen erteilen (z.B. Lizenzierung auf Probe oder Frist zur Nachholung fehlender Anforderungen, etc.).

  

B)

Die Lizenzierung kann mit sofortiger Wirkung entzogen werden bei

  • Missachtung der Statuten, Reglemente, Grundsätze und Interessen von SHD
  • Nichteinhalten der Fortbildungspflicht 
  • Unkorrektem Verhalten (Hetze, Mobbing, Diskriminierung, Betrug, Unterschlagung etc.)
  • Verhalten, welches das Ansehen von SwissHelpDogs schädigt
  • fortgesetzte Störung des guten Einvernehmens mit SwissHelpDogs
  • Nichterfüllen der Beitragspflicht oder anderer Forderungen trotz zweifacher Mahnung  
  • Verstösse gegen die Qualitätsicherungs-Vorgaben und Reglemente, insbesondere hinsichtlich einem ethisch und rechtlich korrekten Umgang mit Mensch und Tier

7.3 ANFORDERUNGEN

 

7.3.1 Basis-Anforderungen

 

 

Die Basis-Anforderungen für die SHD-Ausbildnerlizenz umfasst:

  • die Bereitschaft, sich mit den jeweiligen einschränkungsbedingten Problemen und Bedürfnissen auseinandersetzen, um bestmöglich auf die Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können
  • das Versprechen, ihre Teams gemäss den aktuellsten Qualitäts- & Ausbildungsrichtlinien (QUAKA) zu befähigen und dabei die einheitlichen Dokumente, Vorlagen und Formulare zu nutzen
  • die Verpflichtung, die Mensch-Hund-Teams in der SHD Assistenzhunde-Datenbank zu registrieren
  • einen respektvollen Umgang mit Mensch und Tier durch Anerkennung des Ausbildner-Kodex
  • eine langfristige Betreuung der Mensch-Hund-Teams (über die Qualitätsprüfung hinaus) 
  • die Bereitschaft, an den regelmässig stattfindenden Ausbildner-Treffen zwecks Austausch, Fallbesprechung, Informationen über Entwicklungen im Assistenzhundewesen, Erneuerungen bezüglich Qualitätssicherung (QUAKA), Weiterbildung/Vorträge etc., teilzunehmen

7.3.2 Kynologische Ausbildung

  

A)

Voraussetzung für die Tätigkeit als Assistenzhunde-Ausbildner ist eine fundierte kynologische Ausbildung.

 

B)

Als kynologische Ausbildung zählt jede vom Schweizer Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) gem. Art. 203 TSchV anerkannte oder gleichwertige mit Prüfung abgeschlossene Ausbildung (Theorie und Praxis) mit nachstehendem Inhalt:

  • Rechtsgrundlagen rund um die tierschutzkonforme Haltung von Hunden
  • Grundlagen für die Ausbildung von Hunden und deren Haltern
  • Tierspezifische Bedürfnisse und rassetypische Verwendungszwecke
  • Anatomie und Physiologie, Sozialverhalten und Fütterung des Hundes
  • Notfallsituationen und 1. Hilfe beim Hund
  • Auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheiten (Zoonosen)
  • Lernverhalten beim Hund
  • Tiergerechter Umgang mit Hunden und der darauf basierenden Erziehungsmethoden 
  • Korrektes und sicheres Führen eines Hundes 
  • Aufbau/Konzeptionieren von Lektionen und Erstellen von Stundenplänen
  • Administration und Organisation des Kurswesens
  • Methodik/Didaktik des Unterrichtens und Vortragens
  • Erstellen von Präsentationen 
  • Lernpsychologie, Kommunikation und Rhetorik 

C)

Die genannten Anforderungen sind automatisch erfüllt, wenn eine der nachfolgenden, vom BVET-anerkannten Ausbildungen nachgewiesen werden kann (Aufzählung nicht abschliessend/wird laufend ergänzt):

  • SKG Gruppenleiter
  • SKN/NHB-Fachperson
  • Certodog ab HIK 1 
  • ATN (Assistenz-)Hunde-Trainer
  • IHK (Deutschland) 

 

D)

Die Anforderungen können auch durch Kumulierung einzelner Ausbildungen/Prüfungen oder durch (noch) nicht aufgeführte Aus- oder Weiterbildungen erfüllt werden, wenn sie (insgesamt) nachweislich dem genannten Umfang entsprechen. 

 

E)

Für nachfolgende Spezialgebiete gelten erweiterte Richtlinien:

  • Führhunde: Ausbildung zum Eidg. Dipl. Blindenführhunde-Instruktor

7.3.3 kynologische Erfahrung

  

A)

Für die Zulassung werden mindestens 3 Jahre praktische Erfahrung als Hundetrainer gefordert. Die Erfahrung ist nachzuweisen (Arbeitszeugnisse, Belege aus selbstständiger Tätigkeit, etc.)


7.3.4 Betriebshaftpflichtversicherung

  

A)

Es ist der Nachweis zu erbringen oder zeitnah nachzureichen, dass eine gültige Betriebshaftpflicht-Versicherung besteht.


7.3.5 Moderne Medien

  

A)

Es werden Anwenderkenntnisse mit den gängigsten Medien (PC, Handy) und der üblichen Software/Apps (Office/Word, Internet, Mail, SMS/WhatsApp) vorausgesetzt.


7.3.6 Qualitätssicherung

  

A)

 

SHD-Ausbilder machen sich mit den Inhalten und Vorgaben des QUAKA einschliesslich der enthaltenen Regelungen und Dokumente sowie die entsprechenden Rollen und Verantwortlichkeiten vertraut. Dadurch sind sie  in der Lage ihre Klienten auf dem praktischen und theoretischen Ausbildungsprozess zu begleiten und von der Erstabklärung bis zum Dienstende des Hundes auch administrativ anzuleiten, insbesondere in Bezug auf:

  • die Ausbildungsvoraussetzungen für Mensch und Hund sowie die erforderlichen Nachweise 
  • die Registrierung in der Schweizer Assistenzhunde-Datenbank 
  • die Führung des Assistenzhunde-Passes 
  • Umgang mit Assistenzhunde-Ausweis, Assistenzhunde-Marke und Register-Patch
  • Vorgaben für tierärztliche Untersuchungen und Impfschutz für Assistenzhunde
  • Ausbildungsziele (erforderliche Inhalte, Assistenzleistungen, Qualifikationsprüfung)
  • Qualitätssicherung (Nachbetreuung, Fortbildungspflicht, Re-Qualifizierungsprozess)
  • Rechte & Pflichten (z.B. hinsichtlich Kennzeichnung der Assistenzhunde, Zutrittsrecht)

7.3.7 Weiterbildung

  

A)

Von SwissHelpDogs lizenzierte Ausbildner verpflichten sich regelmässig Weiterbildungen durch entsprechende Fortbildungsangebote (Seminare, Kurse, Vorträge, Praktika etc.) zu absolvieren. Dies umfasst:

  • Kynologische Fortbildung
    z.B. über das Wesen des Hundes, seine Beziehung zum Mensch, seine Haltung, Erziehung oder (Assistenz-)Ausbildung nach aktuellsten wissenschaftlichen und tierethischen Erkenntnissen im Mindestumfang von 72 Stunden bzw. 6 Tagen innerhalb von 2 Jahren

7.4 ERWEITERTE ANFORDERUNGEN FÜR FACHAUSBILDNER

 

7.4.1 Typologische Kenntnisse und Erfahrung

  

A)

Zusätzlich zur kynologischen Ausbildung/praktischen Erfahrung hat der A-Ausbildner entsprechende Kenntnisse seiner Assistenzhunde-Fachgebiete (z.B. bei Diabeteswarnhunden über Diabetes) nachzuweisen, zum Beispiel durch

  • Basisausbildung (Pflegeberuf, Psychologie etc.)
  • entsprechende Weiterbildungen (Kurse, Vorträge, Seminare etc.)
  • mehrjährige (Selbst-)Erfahrung im entsprechenden Assistenzhundebereich

7.4.2 Kenntnisse in Ersthilfe am Mensch

  

A)

Ausbilder von Assistenzhunde-Teams arbeiten mit beeinträchtigten Menschen. Im Trainingsalltag kann es dabei (z.B. unter Einfluss von Stress durch ungewohnte Situationen) rascher zu Notfallsituationen kommen, als in der Arbeit mit nicht-beeinträchtigten Menschen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen wird von den FachausbildnerInnen der Nachweis von Kenntnissen in Ersthilfe gefordert (Minimum Ersthelfer Stufe 1 IVR inkl.BLS-AED-SRC, z.B. bei einer Rotkreuz-Organisation).

 

B) 

AusbildnerInnen, welche den Nachweis über Kenntnisse in Erster Hilfe noch nicht erbringen können, können lizenziert werden wenn 

  • die übrigen Anforderungen erfüllt sind
  • die schriftlich zugesicherte Bereitschaft besteht, innert 6 Monaten einen entsprechenden Kurs zu absolvieren.   

7.4.5 Erweiterte Weiterbildung

  

A)

Für A-Ausbildner gilt eine erweiterte Weiterbildungspflicht. Diese umfasst zusätzlich zur kynologischen Weiterbildungspflicht:

  • Typologische Fortbildung
    im Bereich der jeweiligen Assistenzhunde-Fachrichtungen (z.B über Diabetes bei Diabeteswarnhunden), z.B. über die Einschränkung, deren charakteristische Erscheinungen, Ursachen und Auswirkungen im Alltag, jeweils im Mindestumfang von 36 Stunden bzw. 3 Tagen pro Fachrichtung
  • Erneuerung Ersthelfer
    mittels 2jährlichem Refresher-Kurs

B)

Ausbildner, welche nachweislich einen Erstausbildner mit dessen Assistenzhundeteam in Form von mindesten 20 Supervisionsstunden begleiten, können sich durch Einreichen einer Fallbeschreibung (im Umfang von mindestens 2 A4-Seiten plus Titelblatt, Schrift Arial, Schriftgrösse 11) jährlich max. 16 Stunden bzw. 2 Tage des kynologischen Weiterbildungsumfanges anrechnen lassen.

© www.swisshelpdogs.ch © 

Urheberrechtlich geschützter Bestandteil des SHD-Qualitätssicherungskonzept "QUAKA" 

Zur besseren Lesbarkeit wird jeweils die männliche Form benutzt, was weibliche Beteiligte nicht ausschliessen soll